Waldeidechsen beim Sonnenbad
Waldeidechsen beim Sonnenbad

Aus dem Leben im und am Totholz

Der Lebensraum Totholz schafft ein Refugium für zahlreiche Lebewesen, die ich als Naturfotograf sonst nicht so einfach vor die Linse bekäme, ohne weit herauszufahren. Die Artenvielfalt die im und am Totholz zu finden ist, kann jedoch regional / geographisch sehr unterschiedlich sein, daher kann ich an dieser Stelle nur auf die Tier- und Pflanzenarten eingehen, die ich in meinem Wildgarten beobachtet habe. Meine Beispiele sollten aber deutlich machen, dass es für Naturliebhaber keine Alternative gibt: Totholz gehört in jeden naturbelassenen Garten! Bitte lesen Sie auch Teil 1 meiner Artikelreihe zu Totholz im Wildgarten.

Multikulti auf engstem Raum

Neben den Kleinstlebewesen, diversen Würmern, Schnecken, Insekten, Moosen und Flechten, die im Totholz beim Zersetzen und Umwandeln zu Humus helfen, habe ich hier einmal die größeren und fotogeneren Tiere sowie Pilze als reizvolle Beispiele herausgesucht, weil dieser Artikel natürlich auch eventuelle Nachahmer bestärken und begeistern soll, neue Lebensräume in ihren Gärten zuzulassen.

Waldameisen wohnen hier

Sehr viele Arten sind auf das Totholz angewiesen, weil ein Teil ihres Lebenszyklus danach verlangt. Verschiedenste Käfer legen Gänge an, um darin Eier abzulegen. Einige Wildbienenarten legen ihre Brut ausschließlich in verlassene Bohrlöcher und verdeckeln diese. Spechte wiederum suchen an gleicher Stelle nach Maden und Larven. Wenn sich aus Holz Humus bildet, dann entsteht Wärme, daher finden wir dort viele Insekten, wie Libellen, Schmetterlinge, Fliegen, Käfer, die sich ausruhen, sonnenbaden, oder sich putzen. Eidechsen und andere Reptilien lieben ebenfalls die Wärme und werden zu regelrechten Sonnenanbetern.

Eine Blindschleiche kommt aus ihrem Versteck

Igel, Mäuse, Mauswiesel, Kröten und viele andere mehr nutzen solche Holzhaufen als Versteck, Rückzugsgebiet oder überschlafen darin den Tag, da sie ohnehin lieber nachts im Garten auf Jagd gehen.

Totholz ist auch ein beliebtes Baumaterial

Hornissen und Wespen etwa, zerraspeln das Holz, vermischen es mit ihrem Speichel, formen Kugeln daraus, die sie zu ihrem Nest bringen und dort verbauen. Der Kleiber braucht für seine Nestunterlage in den oft großräumigen Höhlen viele Brocken von Rinde und Totholz als Drainage.

Ein Kleiber sucht Holzbröckchen

Mäuse verstecken sich gerne darin und die Gartenspitzmaus, die zu den nützlichen Insektenfressern gehört, hat ihre Kantine oft unter solchen Holzstapeln. Dutzende von Schneckengehäusen zeigen, wie eifrig sie im Garten als Schädlingsbekämpfer tätig ist.

Markante Maserung und bunter Algen-, Flechten-, Moos- und Pilzbewuchs

Die Oberfläche der Totholzstapel ist besiedelt mit diversen Pflanzen in wunderschönen Formen und Farben. Steine oder lockere Steinhaufen bilden die ideale Kombination zu Totholz. Die nachfolgenden Bilder dokumentieren die letzten 5 Jahre mit Totholz in meinem Wildgarten und zeigen die Vielfalt der Lebewesen, die man die meiste Zeit im Jahr im naturnahen Garten antreffen kann, besonders aber an Totholz-Arrangements.

Waldeidechsen beim SonnenbadMarienkäfer trifft WaldeidechseKröten schlafen unter dem HolzstapelBuntspecht sucht nach KäferlarvenJunge Gartenbaumläufer im HolzstapelJunges Rotkehlchen im BaumstumpfBrandmaus mit WeinbergschneckeFeldmaus auf NahrungssucheGartenspitzmaus mag SchneckenDas Restaurant der GartenspitzmäuseSchillerfalter besucht TotholzDiestelfalter wartet auf SonneEin Sägebock beim AbflugNashornkäfer hält sich im Totholz aufDiesen Laufkäfer kenne ich nichtHornisse braucht BaumaterialEine Wespe inspiziert das TotholzDiese Wespenart legt gerade EierKlein und bunt ist die GoldwespeSpinne auf der Lauer im TotholzLeopardenschnecken bewohnen TotholzSchön, wer noch einen Igel hatWird sehr groß und braucht totes HolzDieser Korallenpilz braucht TotholzPilze und Flechten erobern TotholzKleine Hutträger als Nischenfüller

Wer jetzt neugierig geworden ist, aber keine eigenen Totholzbestände hat, kann Nachbarn, Bauern oder Jäger fragen, „Ordentliche“ Gärtner möchten Totholz eher loswerden, es ist ihnen im Wege und viele sind froh, wenn es jemand mitnimmt …

20. Januar 2014 | | Spezial

Wir gehen jeden Tag an Wundern vorüber und sehen sie nicht. Wir halten nur bei dem inne, was am lautesten schreit. Barbara Bordnick